Grundlagentext Gender Studies: Schröter (2002): Über Grenzverläufe zwischen den Geschlechtern

(Hier eine Zusammenfassung der Seiten 1-37)

Die Autorin des Textes ist Ethnologin und hat zur Zeit eine Professur für „Ethnologie kolonialer und postkolonialer Ordnungen“ in Frankfurt. Ihr regionaler Schwerpunkt ist Indonesien, thematisch beschäftigt sie sich mit den Genderaspekten in der Ethnologie, Film und Medien, Riten und Globalisierung (ihre Website findet ihr hier).

In der Einleitung des Textes wirft Schröter eine Menge Fragen über die Kategorie Geschlecht auf und stellt fest, dass die Grenzen dieser Kategorien verlaufen und unsicher sind. Anhand eines historischen und eines ethnologischen Abriss über die Untersuchungen über Frauen- bis zu Geschlechterstudien versucht sie aufzuzeigen, das Geschlecht eine Kategorie ist, die nur vor dem jeweiligen Kontext, sowohl historisch als auch kulturell, begreifbar ist. Sie möchte vor allem verdeutlichen, dass der politische Anspruch des Feminismus, den Universalismus einer patriarchalischen Unterdrückung aufzudecken, ethnologisch nicht belegt werden kann. Statt einer interkulturellen Dichotomie die Geschlechter betreffend, zeigt sie an Beispielen auf, dass solche Einteilungen zwar eine wichtige Rolle spielen aber durch das Handeln von Einzelnen überschritten werden können.

In ihrem historischen Abriss versucht sie aufzuzeigen, wie in der Frauenforschung versucht wurde, eine einheitliche Kategorie Frau zu finden, mit der man die unterschiedlichen Phänomene der Unterdrückung untersuchen kann. Dieser Versuch musste aber recht früh wieder aufgegeben werden, da sich zum einen schwarze Frauen gegen eine Vereinheitlichung im Sinne einer „global sisterhood“ wehrten und zum anderen zeigte, dass man die Zweiteilung des Geschlechts überhaupt aufgeben musste.

Wenn im politischen Feminismus von Teilhabe an Macht die Rede ist, war dieser Machtbegriff bisher recht eingegrenzt. Dieser Machtbegriff sollte erweitert werden und ist in verschiedene Felder aufgesplittert. Wenn zwischen diesen Feldern eine Balance besteht, könne man von einer Geschlechtersymmetrie sprechen. Diese basiere auf dem permanenten Aushandeln von unterschiedlichen Interessen.

Schröters Ergebnis ist, dass man die gewohnte Einteilung in binäre Oppositionen aufgeben muss und dem Moment der Differenz mehr Bedeutung verleiht. Durch diese Differenz sei es aber auch unmöglich geworden, die Ergebnisse der Forschung in politische Forderungen zu übersetzen, so dass die Trennung von Forschung und Politik unausweichlich war.

Für mich stellt sich die Frage, wie durchlässig diese Grenzen wirklich sind, in welchen Zeiträumen und Kontexten ein Durchbrechen möglich ist. Besonders die Betonung der Handlungen der einzelnen Akteure war für mich noch nicht ganz überzeugend, da die Forschungen mehr auf Einzelfällen basieren und viele Strukturen noch statisch erscheinen.

Gelesen: Laurie Penny – Fleischmarkt

In ihrem Buch „Fleischmarkt“ von 2012 analysiert Penny Strategien, mit denen Frauenkörper im Kapitalismus entmachtet und kontrolliert werden. Das macht sie anhand der Konsumindustrie, Sex/Arbeit, Hausarbeit und am Thema Hungern/Raumeinnahme fest. Anschaulich zeigt sie auf, warum das Patriarchat es nötig hat, mit diesen Strategien Frauen zu unterdrücken. Mal mehr, mal weniger pointiert lässt sich ihre Schreibe so gut lesen und ihre Thesen nachvollziehen.

Man merkt, dass sie insbesondere von der 2. Frauenbewegung in den USA und GB inspiriert wurde. Insgesamt ist ihr Blick auf die Möglichkeiten, die Frauen bleiben um diesen Strategien zu entkommen, sehr pessimistisch. Groß schreibt sie:

„Wenn alle Frauen dieser Erde morgen früh aufwachten und sich in ihren Körpern wirklich wohl und kraftvoll fühlten, würde die Weltwirtschaft über Nacht zusammenbrechen“ (9)

Klingt gut, ist aber zunächst utopisch. Verweigern sich Frauen als Einzelne der Körpernormierung und Schönheitsidealen, werden sie ausgeschlossen, diffamiert und gewalttätig daran erinnert, nichts wert zu sein.

Vermutlich kann man von einem so dünnen Buch nicht erwarten, dass es Alternativen aufzeigt. Aber Penny hätte wenigstens auf die Subversionen, Spielarten, Bricolagen und Camp in Zeiten des Postfeminismus hinweisen können, die Frauen helfen, sich gegen diese Strategien zu wehren.