Workshop: Cybersexismus und Gewalt im Netz – Wider den Trollen

Mein erster Termin im Herbst steht fest: Ich halte beim Kongress „Gleichstellung. Macht. Zukunft“ einen Workshop über Cybersexismus.

Der Kongress findet zusammen mit einem Festakt am 02.10.2015 in Freiburg im Breisgau anlässlich gleich dreier Jubiläen, u.a. der Stelle zur Gleichberechtigung der Frau, statt.

Das ganze Programm findet ihr als pdf hier.

Aus der Workshopbeschreibung:

Gewalt im Internet hat viele Facetten:

Verbale Angriffe im Chat, sexuelle Belästigung in sozialen Medien bis hin zu Vergewaltigungs- und Morddrohungen gegen Frauen und Mädchen. Wer im Netz Sexismus offen legt, feministische Positionen vertritt und frauenpolitische Forderungen stellt oder für ein Anliegen Partei ergreift, kann schnell zur Zielscheibe werden. Die Anonymität öffnet für manche auch einen Kanal, Unmut und Frauenhass öffentlich raus zu lassen, Frauen einzuschüchtern und mundtot zu machen.

Im Workshop werden die verschiedenen Formen von Cybergewalt erläutert, Lösungsansätze und Handlungsempfehlungen gegen Gewalt entwickelt, aber auch Aspekte des Empowerments aufgezeigt: Wie Internet, soziale Netze und Co. genutzt werden können, um sich zu solidarisieren und dieser Gewalt entgegenzutreten.

Schlagworte sind Shit Storm, Hate Speech, #aufschrei, Empowerment, Soziale Netze.

Kommentierte Links: Deine Mudda & die Mär der verkrampften Emanze

Heute erreichten mich zwei Meldungen, die mir Bauchweh bereiteten. Ich schildere Euch meine Bedenken und freue mich über Kommentare & Austausch:

Die frauTV-Moderatorin Lisa Ortgies erhielt den Luise-Büchner-Preis für Journalistik. Zitat aus der Laudatio von Bascha Mika dazu:

„Bascha Mika, die erste Luise-Büchner-Preisträgerin 2012, bescheinigt Ortgies in ihrer Laudatio eben jenen Mut, mit dem sie die versteckten Feindbilder aufdecke und sich gegen das abschreckende Image „der Feministin“ wehre, der jeder „journalistische Humor und Sexappeal“ abgehe. Weder hülle sich Ortgies in Säcke, noch tauge sie für Entschuldigungen wie: „Ich bin zwar keine Feministin, aber…“. Lisa Ortgies setze sich klar für einen „modernen“ und „unverkrampften“ Feminismus ein, so die Begründung der Jury, die Agnes Schmidt als Vorsitzende der Luise-Büchner-Gesellschaft vortrug.“

Ich habe die – für mich – bemerkenswerten Formulierungen hervorgehoben. Bemerkenswert, dass 2014 immernoch eine Abkehr vom (von wem aufrecht erhaltenden?) Image der spaßfreien Feministin betont werden muss. Sich täglich mit gesellschaftlicher Ungerechtigkeit, Diskriminierung, Unterdrückung und Sexismus auseinandersetzen MACHT DOCH SCHLIESSLICH SPASS! Und dabei möge die moderne Feministin doch bitte gut aussehen oder sich wenigstens gut kleiden, denn was ist Feminismus schon wert, wenn er nicht für den männlichen Blick taugt? So, Schluss mit dem Sarkasmus, weiter zum nächsten Link:

Mädchen & Frauen, die im Internet unterwegs sind, dort aktiv schreiben, kommentieren und sich mit Netzkultur auseinander setzen, sind regelmäßig Zielscheibe von sexistischer Gewalt bis hin zu Vergewaltigungs- und Morddrohungen. Eine junge Journalistin wehrte sich gegen solche Drohungen indem sie sich – an die Mütter der – meist pubertierenden – Angreifer wendet. Vorweg: Niemand sollte mit solchen verbalen Angriffen alleine bleiben müssen (ich gebe die Formulierung nicht wieder, wenn es Eine_n interessiert, klickt einfach auf den Link ↑). Ich bin durchaus dafür, solche Hier in Deutschland gibt es die Kampagne hatr.org, auf denen die schlimmsten (Blog-)Kommentare oder tweets veröffentlicht werden. Der Gedanke, solche Übergriffe publik zu machen, Personen, die so etwas zu schreiben öffentlich an den Pranger zu stellen, finde ich unterstützenswert. Warum aber grade speziell die Mütter anschreiben? Klar, würden meine Söhne solchen Bockmist verzapfen, würde ich das wissen wollen. Alanah Pearce, besagte Journalistin, hat relativ einfach via facebook die verwandtschaftlichen Beziehungen herausgefunden, warum hat sie sich nicht an die Väter gewandt? Oder die Lehrer_innen? Ich kann nur Vermutungen anstellen und ich befürchte, die wenigsten Väter würden angemessen auf diese Information reagieren. Aber so wird hier wieder eine stereotype Rollenverteilung reproduziert*, die Mütter als die naturgegeben Verantwortlichen für das miese Verhalten ihrer Kinder in die Pflicht nimmt. Ich vermute, den angeschriebenen Müttern war die Information wesentlich peinlicher als ihren Söhnen.